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Mein Bochum - 09.02.2016 10:30

Gerland: 'Eigentlich wollte ich nie weg'

DFB-Pokal-Viertelfinale. VfL Bochum gegen den FC Bayern. Für Hermann Gerland das Spiel der Spiele. Denn neben dem FCB trägt der 61-Jährige keinen anderen Klub so im Herzen wie den VfL. Seine komplette Profi-Karriere als Spieler bestritt der gebürtige Bochumer im VfL-Trikot (1972 bis 1984: 204 Bundesliga-Spiele, 4 Tore). Danach begann dort auch seine Trainerlaufbahn. Erst bei der U19, dann als Co-Trainer der Profis und schließlich von 1986 bis 1988 als Chefcoach. Kürzlich wählten die Bochumer Fans den inzwischen auch langjährigen Bayern-Coach in die Legenden-Elf des VfL. Auf fcbayern.de schreibt der Tiger über seinen VfL und sein Bochum:

„Vor zwei, drei Jahren war ich in Bochum auf dem Weihnachtsmarkt am Husemannplatz. Da kamen zwei Damen - die waren noch zehn Jahre älter als ich - auf mich zu und sagten: 'Du bist doch unser Hermann?!' Ich sage: 'Ja.' Und sie: 'Oh, war das schön, als du noch bei uns warst.' Das sind so Sachen... Ich mag diese Stadt einfach. Und die Menschen dort, die geradeaus sagen, was sie denken. Eigentlich wollte ich nie weg aus Bochum. Aber wie das Leben so spielt, bin ich jetzt schon seit 1988 weg.

In Bochum bin ich geboren. Da bin ich in den Kindergarten und in die Schule gegangen. Da habe ich meine Bank-Ausbildung gemacht. Und da habe ich Fußball gespielt. In Bochum brauche ich kein Navigationsgerät, da kann ich zu Fuß fast alles erreichen. Ich kenne die Leute, die Leute kennen mich. Für eine Bochumer Bratwurst lasse ich jede Weißwurst und jedes Filetsteak liegen. Bei mir zuhause auf dem Grill liegt immer eine Bochumer Bratwurst.

Als 14-Jähriger spielte ich mit einem kleinen Vorort-Verein, Bochum-Weitmar, im Finale der Kreismeisterschaft gegen den VfL. Wir haben 1:3 verloren, ich habe unser einziges Tor gemacht. Danach haben sie mich gefragt, ob ich zum VfL kommen will. Mit 15 bin ich gewechselt und habe dann von der B-Jugend bis zum Cheftrainer alle Stationen beim VfL durchlaufen. Dem Verein und insbesondere Ottokar Wüst, der damals ein genialer Präsident war, habe ich sehr viel zu verdanken. Dass mir der VfL mit 32 Jahren die Möglichkeit gab, Cheftrainer in der Bundesliga zu werden, war ein riesiger Vertrauensbeweis.

Beim VfL habe ich mich immer gut aufgehoben gefühlt und habe immer versucht, dem Verein alles zu geben, was ich konnte. Mal hat das gereicht, mal nicht. Irgendein Mitspieler hat mal zu mir gesagt: 'Hey, Eiche (So nennen sie mich in Bochum.)! Wenn wir absteigen, ist mir das völlig egal. Dann wechsle ich den Verein.' Da habe ich ihm gesagt: 'Du bist nicht ganz sauber! Ich bin hier geboren. Wenn ich durch die Stadt gehe, zeigen die Leute mit dem Finger auf mich. Ich will nicht absteigen!' Trotz bescheidener Mittel haben wir es damals immer geschafft, die Klasse zu halten. Weil der Zusammenhalt, das Wir-Gefühl größer war als bei anderen Vereinen.

Dieser Zusammenhalt währt bis heute. Mit meinem einstigen Mitspieler Ata Lameck telefoniere ich fast täglich. Mit den Jungs von damals - die, mit denen ich zusammengespielt habe, und die, die ich trainiert habe - gehe ich im Dezember immer in Bochum über den Weihnachtsmarkt. Und seit ein paar Jahren treffen wir uns auch im Sommer. Da kommen immer zwischen 30 und 50 Leute. Wir frischen die alten Geschichten auf, erzählen uns, wie gut wir früher waren. Und wenn wir ein paar Bier oder Whiskey zu viel getrunken haben, dann denken wir, wir hätten damals die Champions League gewonnen oder zumindest daran teilgenommen. Der Dschungel-Dritte Thorsten Legat erzählt dann immer, wie es war, als ich ihn in der B-Jugend trainiert habe. Das war wohl nicht so ganz einfach... Wir haben viel Spaß!

Ich denke sehr gerne zurück an die Zeit in Bochum. Inzwischen bin ich aber auch schon 19 Jahre beim FC Bayern, genauso lange wie ich in Bochum tätig war. Ich würde mich freuen, wenn der VfL aufsteigen sollte und wir die nächsten Jahre nochmal gegen sie in der Bundesliga spielen könnten. Nur eins ist ganz klar: Im DFB-Pokal am Mittwoch möchte ich, dass der FC Bayern weiterkommt. Wir wollen ins Finale!“

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