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Förderer und Freund - 18.09.2015 10:00

'Dettmar Cramer war ein großartiger Mensch'

Knapp drei Jahre lang leitete Dettmar Cramer zwischen 1975 und 1977 die sportlichen Geschicke beim FC Bayern. Mit zwei Siegen in Folge im Europapokal der Landesmeister (1975, 1976) sowie dem Gewinn des Weltpokals (1976) prägte der Fußballlehrer damals die Geschichte des deutschen Rekordmeisters und legte mit diesen Erfolgen die Grundstein für den nationalen und internationalen Aufstieg des FCB. Am Donnerstag verstarb Cramer im Alter von 90 Jahren in seinem Wohnort Reit im Winkl.

„Für viele war Dettmar Cramer mehr als nur eine sportliche Bezugsperson“, erklärte Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern. „Für mich war er wie ein väterlicher Freund, er war der größte Förderer meiner jungen Profi-Karriere. Dass ich sehr erfolgreich Fußball gespielt habe, hatte ich zu großen Teilen ihm zu verdanken. Der FC Bayern trauert um einen großen Trainer und besonderen Menschen.“

Wenn jemand wusste, wie sich ein Weltreisender fühlt, dann war es Dettmar Cramer. Als erster großer deutscher Fußball-Trainer überhaupt wagte der spätere Bayern-Coach einst den Schritt ins Ausland - und verrichtete bis zu seinem Karriereende in mehr als 90 Ländern Pionierarbeit.

Zwei Mal Europacup-Sieger

Bis 1974 arbeitete Cramer für den Weltverband FIFA als Instrukteur und Trainer in rund 70 Ländern, ehe er für wenige Monate US-Nationalcoach wurde. Im Januar 1975 kam er schließlich zum FC Bayern - und war prompt erfolgreich. „Er ist der einzige Trainer, der mit Bayern München zweimal die Champions League - damals noch den Europapokal der Landesmeister - gewonnen hat“, erinnert sich Rummenigge, für den der Titelgewinn 1976 in Glasgow (1:0 gegen AS Saint-Etienne, Anm. d. Red.) der „größte Triumph“ war.

Nur der deutsche Meistertitel blieb ihm verwehrt, dem nur 1,65 Meter großen Fußballlehrer, der von Sepp Maier einmal despektierlich als „laufender Meter“ bezeichnet wurde (Cramer: „Sepp hat halt einen ganz eigenen Witz“), sich aber genüsslich in einer Napoleon-Uniform ablichten ließ. Besonders eng war seine Beziehung zu Franz Beckenbauer, denn „wenn der Franz und ich zusammen sind, dann senden und empfangen wir auf derselben Wellenlänge“, erklärte Cramer.

Im Dezember 1977 wechselte Cramer von München zur Frankfurter Eintracht, die er aber bereits am Ende der Saison wieder verließ. Nach Engagements in Saudi Arabien und Griechenland kehrte er 1982 wieder in die Bundesliga zurück, wo er bei Bayer Leverkusen anheuerte. Drei Jahre blieb Cramer bei den Rheinländern, ehe es ihn wieder ins Ausland zog.

Weltweit verehrt

Der Fußball-Liebhaber konnte sich für neue Kulturen begeistern - auch, um sich Respekt zu verschaffen. Vor seiner Station Ende der 1980er Jahre in Japan hatte er mit zwei Bleistiften ausgiebig das Stäbchenessen geübt. Tags darauf konnte er Spiegeleier damit zerteilen; die Spieler staunten. Dank seiner Fähigkeiten als Fußball-Professor, wie er oft tituliert wurde, sehen die Japaner in Cramer bis heute den Vater des modernen japanischen Fußballs.

Nichts hasste Cramer mehr als Misserfolge. „So lange besser möglich ist, ist gut nicht genug“, war sein Leitspruch. „Ich habe versucht, es immer noch ein bisschen besser zu machen.“ Bleibenden Eindruck hat Cramer aber nicht nur in seiner Funktion als Fußball-Lehrer hinterlassen, wie Rummenigge versichert. „Er war ein großartiger Trainer - und ist vor allem ein großartiger Mensch.“

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