Mitglied werden in der FC Bayern Online-Welt
Erstellen Sie Ihr persönliches Profil und nutzen Sie viele Vorteile!
Profil anlegen >
Mitglied werden im FC Bayern eV
Alles zur Mitgliedschaft im Verein.
Mehr Infos >
Mitglieder-Online-Verwaltung
Verwaltung Ihrer Mitgliederstammdaten. Hier gelangen Sie zu Ihrer zur Online-Mitglieder-Verwaltung.
Mehr Infos >
Mitglied werden im FCB KidsClub
FCB KidsClub Mitglied werden - Berni freut sich auf Euch!
Mehr Infos >
shadow
spieler_links_action_alonso_14.png
50 Jahre FC Bayern - 27.11.2009

Beckenbauer sagt leise 'Servus'

Spieler, Trainer, Funktionär - seit über 50 Jahren wirkt Franz Beckenbauer in den verschiedensten Positionen beim FC Bayern München. An diesem Freitagabend endet die „Kaiserzeit“ beim deutschen Rekordmeister. Nach 15 Jahren als Vereinspräsident wird sich die 64 Jahre alte Fußballlegende nicht mehr zur Wiederwahl stellen, Manager Uli Hoeneß soll ihm dann an die Spitze des größten deutschen Sportvereins folgen. fcbayern.de hat die einzigartige Karriere des „Kaisers“, der nun Ehrenpräsident des FC Bayern wird, nachgezeichnet.

Die entscheidende Weiche für seine Weltkarriere stellte weder Franz Beckenbauer selbst noch ein Trainer oder seine Eltern. Ein Spieler des TSV 1860 war dafür verantwortlich, und das ganz unfreiwillig. Eigentlich hatte der damals zwölfjährige Giesinger Bub nach fünf Jahren beim SC München 1906 zum TSV 1860 wechseln wollen. Aber bei einem Schülerturnier kam es zu einem folgereichen Zwischenfall. Im Finale rutschte seinem Gegenspieler von den „Blauen“ die Hand aus und Beckenbauer beschloss: „Zu diesem Rowdy-Verein gehe ich nicht. Ich gehe zum FC Bayern.“

Es ist die wohl berühmteste Watsch‘n im deutschen Fußball, und eine mit großer Wirkung. Der Sohn eines Postobersekretärs aus Obergiesing schloss sich den „Roten“ an - und half entscheidend mit, dass sich der FC Bayern zum erfolgreichsten Klub Deutschlands entwickelte. 1964 debütierte er in der ersten Mannschaft und schon ein Jahr später wurde er in die Nationalmannschaft berufen. Franz Beckenbauer begann nun, die Fußball-Welt zu erobern. Bei seinem ersten Einsatz, dem entscheidenden WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden in Stockholm, wusste er zu überzeugen, die Mannschaft gewann 2:1, und der junge Beckenbauer wurde im Mittelfeld zu einer festen Größe für die Endrunde 1966, wo er mit gerade einmal 20 Jahren zu den besten deutschen Spielern gehörte.

Beim FC Bayern kam Beckenbauers große Zeit in den goldenen siebziger Jahren mit drei Meistertiteln und drei Siegen im Europacup der Landesmeister. Beckenbauer interpretierte bei seinem Verein die Rolle des Liberos neu, war nicht nur Chef der Defensive, sondern gleichzeitig Spielgestalter, der famose Dirigent eines großen Ensembles. Endlich durfte er auch in der Nationalmannschaft auf dem Posten des freien Mannes spielen. Er führte das Team 1972 zum EM-Titel und 1974 im eigenen Land endlich zum ersehnten WM-Triumph.

1977 wechselte er in die US-Profiliga zu Cosmos New York, spielte dort an der Seite von Pelé. Weil der DFB den USA-Legionär nicht mehr berufen wollte, endete seine Nationalmannschaftskarriere nach 103 Länderspielen. Er verhalf dem amerikanischen Fußball zu einem kurzen Aufschwung, aber sein sportliches Resümee war ernüchternd: „Fußballerisch kannst du es vergessen.“ Er wollte seine Karriere nicht in einem Fußball-Entwicklungsland ausklingen lassen und kehrte 1980 in die Bundesliga zum Hamburger SV zurück, ehe er nach vielen Verletzungen 1983 seine aktive Karriere beendete.

Schon während der aktiven Zeit hatte sich Franz Beckenbauer Gedanken über seine Zukunft gemacht. „Mit Fußball möchte ich später einmal nichts zu tun haben, und ein Trainerjob kommt für mich absolut nicht in Frage“, verkündete er in einem Fernsehinterview. Zwar zog er sich nach dem Karriereende tatsächlich erst einmal zurück, als aber die deutsche Nationalmannschaft bei der EM 1984 in Frankreich kläglich scheiterte, kam der „Kaiser“ ins Spiel und wurde, was er früher nicht hatte werden wollen: Trainer. Oder besser Teamchef, denn Beckenbauer fehlte der Trainerschein, und er dachte gar nicht daran, diesen zu erwerben. Er verwies auf die große Erfahrung und führte seine früheren Trainer wie Lattek, Cajkovski, Zebec, Cramer oder Happel als Lehrmeister an. „Die haben mich in der täglichen Arbeit so wunderbar ausgebildet, wie es keine Uni besser hätte machen können.“

Allerdings zahlte Beckenbauer in seinen ersten Jahren als Teamchef viel Lehrgeld. Er war weder geborener Pädagoge noch Diplomat. Dem Perfektionisten, für den der Maßstab das eigene Können war, fehlte es obendrein an Geduld und Einfühlungsvermögen für die weniger Begabten. Deutlich ließ er die Spieler seines Kaders für die WM in Mexiko 1986 immer wieder spüren, dass sie seinen hohen Ansprüchen nie genügen würden. Die WM wurde bis zum verlorenen Finale beherrscht von Querelen im Trainingsquartier bei Querataro, die im Rauswurf von Ersatztorhüter Uli Stein gipfelten.

Nach der WM nahm er sich die Zeit, ein neues Team zu formen, das seinen hohen Ansprüchen etwas näher kam. Seine Nonchalance, mit der er alle Probleme beiseite wischte, seine natürliche Autorität, die Fähigkeit, den Spielern Freiräume zu gewähren, täuschte darüber hinweg, dass Beckenbauer für den Erfolg mit der Nationalmannschaft hart arbeitete. Er überließ nichts dem kaiserlichen Zufall, seine Kabinenansprache vor wichtigen Spielen stand im krassen Gegensatz dazu.

„Geht’s raus und spielt’s Fußball“, pflegte er der Mannschaft mit auf den Platz zu geben – weil alles andere längst erledigt war. Bei der WM in Italien sollte die Ernte eingefahren werden. Alles lief nach Plan, und Deutschland wurde am 8. Juli 1990 durch ein 1:0 gegen Argentinien zum dritten Mal Weltmeister. Nur der Brasilianer Mario Zagallo vor ihm hatte ebenfalls als Spieler und Trainer den WM-Titel gewonnen.

Beckenbauer übergab das Amt nach dem Triumph von Rom an Berti Vogts und wollte sich nun eigentlich erst einmal abwenden vom Fußball. Aber er schien Gefallen gefunden zu haben am Trainerjob und übernahm genau 60 Tage nach dem WM-Sieg von Rom die Mannschaft von Olympique Marseille. Als er ein Jahr später den französischen Erstligisten nach Differenzen mit Klubchef Bernard Tapie wieder verließ, sah er seine Trainerkarriere als beendet an – und irrte wieder einmal.

Im Januar 1994, Beckenbauer war mittlerweile Vizepräsident des FC Bayern, löste er Erich Ribbeck auf der Trainerbank ab, und fügte seiner ohnehin schon großen Titelsammlung noch einen hinzu: Der Höhepunkt der launigen Meisterfeier auf dem Nockherberg war des Kaisers Kunstschuss von einem Weißbierglas ins Tor des Aktuellen Sportstudios. Zwei Jahre später musste er noch einmal ran. Nach der Entlassung von Otto Rehhagel Ende April 1996 übernahm er für die letzten Wochen der Saison das Training, dieses Mal nur sehr widerwillig. Aus der Meisterschaft wurde zwar nichts mehr, aber die Bayern holten im Finale gegen Girondins Bordeaux zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den Uefa-Pokal.

Beckenbauer ließ der FC Bayern nie los, auch 14 Jahre nach seinem Abschied freute und litt er mit seinem früheren Verein. Als die Münchner 1991 in einer tiefen Krise steckten, bat ihn Präsident Fritz Scherer um Hilfe. Das Traineramt lehnte er ab, war aber bereit, sich als Vizepräsident zur Verfügung zu stellen. Drei Jahre später wurde er zum Präsidenten gewählt, kaum hatte er wissen lassen, dass das Amt des Vereinsbosses nicht sein Ziel sei.

Mit Manager Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge als Vizepräsidenten an seiner Seite bestimmte er fortan die Geschicke des deutschen Rekordmeis­ters. Der FC Bayern entwickelte sich unter dieser Experten-Troika zum wirtschaftlich zweiterfolgreichsten Verein in Europa hinter Manchester United. Das Tagesgeschäft überließ Beckenbauer weitgehend den Kollegen, er fungierte von seinem damaligen Wohnsitz Oberndorf bei Kitzbühel aus auch als Türöffner. Seine hohen Ansprüche hatte er noch immer nicht heruntergeschraubt, die Leistung des FC Bayern beäugte er stets kritisch.

Er sprach schon mal von „Schülermannschaften“ und von Duellen „Obergiesing gegen Untergiesing.“ Bei Champions League-Reisen zählte die traditionelle Bankettrede nach dem Spiel zu seinem Zuständigkeitsbereich, wehe, wenn die Mannschaft patzte, dann gab der noch immer impulsive Beckenbauer gerne den „wilden Kaiser“.

Legendär ist seine Ansprache nach der 0:3-Niederlage bei Olympique Lyon in der Zwischenrunde 2001, da verglich er die Mannschaft mit der „Uwe-Seeler-Traditionself“, wollte „Altherrenfußball“ gesehen haben und fühle sich an „Fußball wie vor 30 Jahren“ erinnert. Die Kritik fruchtete an, zwei Monate später gewannen die Münchner „Altherrenfußballer“ die Champions League.

1998 ließ sich Beckenbauer vom Deutschen Fußball-Bund überreden, das Amt eines Vizepräsidenten zu übernehmen und begann, die Bewerbung für die Fußball-WM 2006 voranzutreiben. Er reiste monatelang um die Welt, um Stimmen für Deutschland zu sammeln. Der „Spiegel“ sah in ihm einen „nichtstaatstragenden Außenminister, der genauso unangestrengt Politik zu machen vermag wie er Fußball spielte“.

Nachdem Deutschland den Zuschlag für die WM bekommen hatte, wurde Beckenbauer logischerweise auch Chef des Organisationskomitees. 2002 zog er sich beim FC Bayern nach der Umstrukturierung und Ausgliederung der Fußballabteilung auf den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden zurück, seine Meinung hatte aber weiter vor allem in der Öffentlichkeit großes Gewicht.

Die von Beckenbauer organisierte WM wurde ein Sommermärchen, ein riesiges multinationales Freudenfest, das den Deutschen weltweit viel Sympathie einbrachte. Im Januar 2007 wurde Beckenbauer auf dem Uefa-Kongress als europäischer Vertreter in das Exekutivkomitee der Fifa gewählt – vermutlich erst der Beginn seiner internationalen Funktionärskarriere.

large_shadow_up